Ein Open-Air-Festival sollte es sein, das Kultur Pur in diesem Jahr. Wie immer vor der Konzertmuschel im Schlosspark in Langenargen. Aber der Wettergott war nicht gut gelaunt und ließ deshalb seine Wolken regnen. Kein Problem für den Kulturverein, denn für schlecht Wetter war vorgesorgt. Kurzer Hand wurde die Veranstaltung in die Festhalle verlagert. Und das war auch gut so, denn sonst wäre das Fest ins Wasser gefallen.
"The Mellers" und "Mambo Kurt" standen am Samstagabend auf dem Programm - das war doch schon mal vielversprechend. The Mellers sind seid einiger Zeit eine der angesagtesten lokalen Ska-Bands der Region. Richtige, ehrliche Musik machen sie. Reinhard May würde sagen: Musik von Hand gemacht. Ein bisschen Technik im Sinne von Strom benötigen sie schon, aber sonst reicht auch schon die Puste der Bandmitglieder. Ein E-Bass, eine E-Gitarre, ein Keyboard waren die Stromnutzer, sonst gab es aber auch noch richtige Blasinstrumente wie Trompeten und Posaune. Schlagzeug darf natürlich auch nicht fehlen. Mit dieser Zusammensetzung und einem Sänger brachte es die Band fertig, die halbvolle Halle zum Brodeln zu bringen. Was sich anfangs doch nicht als so einfach entpuppte, denn viele Gäste waren schon genervt von der langen Verzögerung. Über eine Stunde mussten die Fans warten, bis die "phat'n'roll-ska-band" vom Veranstalter grünes Licht für den Auftritt bekam. Eindeutig zu lange, da schon viele vorher in die Festhalle gekommen waren, um das Fußballspiel der Deutschen zu verfolgen. Doch die Musiker verstanden ihr Handwerk und in kurzer Zeit war die Tanzfläche voll. Zu den selbstgeschriebenen Stücken der Band, die auch schon einmal beim Southside-Festival auftrat, tanzte die Menge, schubste, drängte, fiel und stand sogleich wieder lachend auf. Eine richtige Gute-Laune-Musik, die Lust auf mehr machte.
Doch dann hieß es, den nächsten Programmpunkt willkommen zu heißen: Mambo Kurt. Und spätestens hier scheiden sich die Geister: Der passionierte Heimorgelspieler aus Bochum verarbeitete jeden Stil in bester Bossa-Nova-Manier. Mit einem Gag für eine Hochzeit fing die ganze Sache an - und danach hätte sie auch wieder beendet werden sollen. Er saß - zuerst mit seinem Rücken zum Publikum - hinter seiner Heimorgel und verhunzte jedes moderne Lied. Er brachte es fertig, Stücke von Nickelback und Faithless in einer Tour zu spielen mit "Musik ist Trumpf" und Nicoles "Ein bisschen Frieden". Beinahe am Rande des guten Geschmacks befand sich Kurt. Doch irgendwie war er auch kultig. Eine Mischung zwischen Helge Schneider und Dieter Thomas Kuhn und schließlich hatte er es auch schon bis in "Veronas Welt" geschafft. Wenn das kein Erfolg ist. Mit seiner 80er-Jahre-John-Porno-Brille saß er hinter seiner Orgel, einen undefinierbaren, schlecht sitzenden grau-beigen Anzug tragend brach er eine Lanze für die Heimorgel ("das verkannteste Instrument unserer Zeit"). Es machte ihm sichtlich Spaß, alle Register seiner "Yamaha D 85, dreimanualig, 120 kg, echt Holz, keine Furniere, 300 Watt Lautsprecher" zu ziehen. Und wie nahe doch Techno und Marsch verwandt sind, hätte vor Kurts Aufklärungsaktion sicher auch niemand geahnt.
Der Abend hatte also zum Schluss doch noch für jeden was zu bieten: Musik vom Feinsten von den Mellers und für alle, die ein bisschen was über den Durst getrunken hatten, war auch Mambo Kurt ein Stimmungsgarant.
Carmen Reiser