Presse - Schwäbische Zeitung 21.06.2004

Fans tragen Mambo Kurt auf Händen

LANGENARGEN - Wie ein einziger polyphoner Klingelton, so lässt sich Musik an der Heimorgel vielleicht beschreiben. Mambo Kurt, Überzeugungstäter an diesem vom Aussterben bedrohten Instrument, unterhielt sein Publikum am Samstag beim "Kultur Pur"-Festival in Langenargen mit Interpretationen von Guns "n" Roses bis Stevie Wonder.

Von unserem Redaktionsmitglied Christiane Wohlhaupter

Man muss den Musiker mit der großen gelbgetönten Sonnenbrille und den Kringellöckchen wohl hassen oder lieben. Denn direkt vor der Bühne stehen dicht gedrängt die Fans, teils mit Fanclub-T-Shirt oder Mambo-Kurt-Sonnenbrille. Hinter ihnen ist erst mal zehn Meter Platz, näher traut sich das restliche Publikum vorerst nicht heran.

Es ist auch wahrlich gewöhnungsbedürftig, was Mambo Kurt, der zunächst mit dem Rücken zum Publikum an seiner Heimorgel sitzt, so spielt. Harter Rock von Rammstein in der zahmen Discoversion. Musik von Metallica als Walzer? Mambo Kurt macht"s möglich und gerät dabei ganz schön ins Schwitzen.

Mit Schwung in die Menge

SZ-Foto: crw

Zwei Aufgaben habe er auf dieser Erde, erklärt der Musiker im Anzug und gelben Hemd. Die eine Aufgabe ist das Heimorgelspielen, die andere junge Menschen zum partnerschaftlichen Tanzen zu motivieren. Wie das geht, demonstriert er mit einem Mädchen aus dem Publikum - im Hintergrund dudelt sein Instrument dank Memorytaste unablässig weiter.

Und auch die "drittschönste Sache der Welt" - gleich nach Heimorgelspielen und mit schönen Frauen tanzen - will Mambo Kurt bei seinem Konzert zelebrieren. Mit Schwung wirft sich der Musiker, der stolz darauf ist, 1982 bei Jugend musiziert "bester Heimorgelspieler unter 14" gewesen zu sein, von der Bühne ins Publikum und wird von seinen Fans auf Händen getragen.

Gut 300 Zuhörer sind zum "Kultur Pur"-Festival gekommen, das eigentlich als Open Air geplant war, wegen des schlechten Wetters aber in die Turn- und Festhalle ausweichen musste. "Wenn Deutschland gewonnen hätte, wären doppelt so viele Leute hier gewesen", ist sich Niko de Gregorio sicher. Seine Ska-Band "The Mellers" hat den Auftakt beim Konzertabend gemacht. Mit eingängigen Rythmen holen die acht Musiker gute Laune und zwischendurch gar karibisches Flair in die Halle. Immer ausgelassener tanzt das Publikum zu den meist fröhlich klingenden Liedern. Als Sänger Martin Rueß schließlich verrät "wir beißen nicht" trauen sich alle noch ein Stück weiter nach vorne. Bei der Coverversion von "The Lion sleeps tonight" geht"s vorne noch mal so richtig ab. Alleinunterhalter Mambo Kurt findet anschließend: "Der einzige Fehler der Mellers war, dass sie zu viele Musiker auf der Bühne hatten."

Mambo Kurt, leidenschaftlicher Heimorgler, weiß, die Fans in der Langenargener Festhalle um sich zu scharen.

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