"The Mellers" spielen Ska im Theaterstadel: Ein Musikstil, der sich selbst erklärt
MARKDORF -
Wer von euch wusste nicht, was Ska ist?", fragen die Jungs in der Mitte ihres Konzerts in das Publikum. Eine beachtliche Anzahl von Händen hebt sich. Eine Erklärung bekommen die Unwissenden trotzdem nicht. Sie ist aber auch kaum noch nötig, denn die Einflüsse von Ska kann man gut heraushören. Allgemein möchte man sagen: Es ist ein großer Topf mit einer Menge Reggae drin, und sämtliche andere Musikstile geben dem Ohrenschmaus die nötige Würze. Und mit Reggae als Grundlage kann man sich auf gute Laune, pure Lebensfreude und schnelle, treibende Rhythmen ohne aufkommende Langeweile einstellen.

Musik aus Jamaika im Theaterstadel auf dem Gehrenberg:
Sommerstimmung und heiße Rhythmen luden zum Tanzen ein. Bild: Bernard
Für den Rest sorgen die neun Jungs an ihren Instrumenten. Mit ihrem lässigen Kleidungsstil spiegeln sie genau das wider, was sie auf die Bühne bringen: Ohne Bewegung geht es nicht. Wenn sie nicht gerade auf der Stelle joggen, sich wild im Kreis drehen oder ihr Instrument von Seite zu Seite wirbeln, wanken sie wenigstens selbst im Rhythmus hin und her. Irgendwann bleibt einem nur noch übrig, über die Kondition der Mellers zu staunen. Ein einziger Auftritt ersetzt ein komplettes Fitnessprogramm - und macht auch noch Spaß.
Doch Schwung und Elan ergießen sich auch über das tanzfreudige Publikum im Stadel. Schon nach wenigen Minuten trauen sich die ersten zu zaghaften Bewegungen, kurz darauf hat man Glück, wenn man auf der Fläche vor der Bühne noch ein Plätzchen für sich ergattern kann. Das Zauberwort "Interaktivität" lässt das Publikum die Hände heben, um kräftig mitzuklatschen. Die Musik wird atemlos, die Tanzenden werden es auch. Aufhören gilt nicht. Aber wer kann auch schon widerstehen, wenn die Charmeure gleich zu Beginn über hübsche Frauen singen und bezeugen müssen, dass sie schon einige im Saal gesichtet haben. Mit einer Ausstrahlung, die auf der Bühne gigantisch wird, mischen "The Mellers" den Theaterstadel auf. Es scheint, als hätten ihre Instrumente Eigenleben entwickelt: Musik wird lebendig. Als Team bringen die Jungs spritzig-fetzige Rhythmen zum Explodieren, den Theaterstadel zum Kochen, den Schweiß zum Laufen und das Herz zum Rasen.
Im Geiste auf Jamaika
Aber es schlägt auch höher. Mitten im ungemütlich grauen Herbst einen Sommergenuss und richtiges Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen, tut gut. Vielleicht schwebt der Geist längst auf Jamaika, dem Ursprung des Ska als Vorläufer des reinen Reggae, und lässt nur den Körper tanzend im Stadel zurück. Vielleicht verbinden sich Jahreszeiten miteinander, vielleicht kann man ja doch an zwei Orten auf der Welt gleichzeitig sein.
Schön daher auch die Idee, einen Betriebsausflug zum Auftritt der Mellers zu machen. In einer entspannteren Atmosphäre kann man sich kaum besser kennen lernen. Und von der Zusammenarbeit von den Jungs der Mellers kann man sich schließlich auch noch einiges abgucken.
Denise Bernard